Über die Stille

Stille Meditation

In spirituellen Texten und Überlieferungen ist immer wieder die Rede von der Stille. Vom Schweigen und vom Lauschen. Für mich bedeutet das: Wie kann ich mitbekommen, was das Leben mir erzählt, wenn ich ihm nie zuhöre?

 

Wenn ich mich selbst immer wieder für etliche Tage in die Stille begebe, ist es zunächst alles andere als still. Da ist der Lärm der Gedanken, der Sturm der Gefühle und die Schmerzen des langen Stillsitzens.

 

Irgendwann, wenn etwas in mir aufhört, sich gegen diesen ganzen Lärm zu wehren, wird noch etwas anderes wahrnehmbar. Etwas Feines. Tiefes. Stilles.

 

Habe ich dann eine Weile lang geschwiegen, gelauscht, die Stille getrunken, kann es sein, dass ich an einen Punkt komme, an dem mein Herz plötzlich ganz voll ist. So voll, dass es schier überlaufen mag vor lauter Freude, Fülle und all dem Unaussprechlichen.

 

Und die Stille?

 

Jaa, da ist sie noch, alles durchdringend, immer da seiend schwingt sie in allem mit, geduldig wartend, bis ich bereit bin, ihr zu begegnen.

 

So wie sie in mancher Musik zu erahnen ist. Jener Musik, die von ganz tief kommt.

 

Anneke Bauer im März 2020

anlässlich des Konzertes in der Spitalkirche Hersbruck gemeinsam mit Irmingard Phillipow

Konzertbericht von Ute Scharrer in der Hersbrucker Zeitung
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