Krise

       anlässlich des Beginns der Corona-Krise

Immer wieder bin ich zutiefst berührt von dem streifenfreien Blau das sich gerade über uns aufspannt. Und doch hat es etwas Unwirkliches. Denn die neue Tiefe und Offenheit des Himmels kommen nicht freiwillig. Die Ausbreitung des Corona-Virus hält die Welt in Atem. Oder auch nicht, denn viele sind gezwungen, zuhause zu bleiben, was allerdings seine eigene Atemlosigkeit mit sich bringen kann.

 

Krisen bedeuten immer unfreiwillige Veränderung. Und Veränderungen tun meistens weh. Denn etwas muss gehen. Und wenn es nur eine bequeme oder vielleicht sogar unangenehme Gewohnheit ist. Und das Neue, das, was noch nicht wirklich da ist, weil es erst gelebt werden will, ist immer verbunden mit dem Not-Knowing, dem Nicht-Wissen. Das ist der Grund, warum Veränderungen so schwierig sind. Denn für die menschliche Psyche ist das Nicht-Wissen, das Neue, Unbekannte oft nur schwer aushaltbar. 

 

Zugleich bergen Krisen aber auch die Gelegenheit, sich neu kennen zu lernen. Wir uns als Menschheit, in diesem Fall, und als Gesellschaft, als Familie und ich mich, als ich selbst. Wenn wir dem, was da auftaucht, neutral begegnen, es da sein lassen, mit der Offenheit, zu wachsen und zu lernen und wir uns darin gegenseitig unterstützen, kann die Krise zugleich eine Chance sein.

 

Anneke Bauer im April 2020